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20. November 2017

Baader Bond Markets: „Zinswende vertagt bis ins Jahr 2018 „


15. September 2017. MÜNCHEN (Baader Bank). Ein weiteres Mal hat die Europäische Zentralbank (EZB) in der vergangenen Woche die Entscheidung vertagt, wann und wie die Zinswende kommen soll. Zwar spricht die niedrige Inflation von rund 1,5 Prozent im Euroraum eher für eine Fortsetzung der Niedrigzinspolitik. Doch gleichzeitig gewinnt die Konjunktur in Euroland an Fahrt, was für ein Anziehen der Zügel über höhere Zinsen sprechen würde. Sofern die Teuerungsrate und das Wirtschaftswachstum voneinander entkoppelt bleiben, droht die ultralockere Geldpolitik aber zu einer Überhitzung der Volkswirtschaft zu führen.

Hinzu kommt die anhaltende Forderung seitens der Finanzbranche, die auf eine Zinswende drängt - wovon Draghi sich bisher allerdings nicht beeindrucken ließ. Die Zeit des billigen Geldes in Europa sollte trotz des starken Euro enden, hallt es dem EZB-Präsidenten speziell von deutschen Banken entgegen. Nach Ansicht des Chefs des Verbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, Uwe Fröhlich, "überzieht die EZB langsam".

Aktuell bereitet der EZB der kräftige Kursanstieg des Euro Kopfschmerzen, der seit Jahresbeginn mehr als 13 Prozent zugelegt hat, wodurch sich Produkte aus dem Euroraum auf dem Weltmarkt verteuern. Weil aber gleichzeitig Importwaren billiger werden, wird die Inflation gedrückt. Für die EZB wird es dann noch schwieriger, ihr Inflationsziel von knapp 2 Prozent zu erreichen. EZB-Chef Mario Draghi sitzt also in einer klassischen Zwickmühle.

Vor diesem Hintergrund hat Draghi die Entscheidung über die Zinswende erst mal wieder verschoben - und zwar bis ins kommende Jahr. Erst 2018 dürfte mit einer vorsichtigen Änderung der EZB-Geldpolitik zu rechnen sein. Schrittweise könnte dann die EZB die monatlichen Anleihekäufe von derzeit 60 Milliarden Euro herunterfahren, um im Anschluss die Wirkung zu beobachten. Bis dahin dürfte es keine Erhöhung der Zinsen geben.

Eine solche Wende hat es lediglich in den USA schon gegeben. Deren Notenbank Fed trifft sich am kommenden Donnerstag wieder zu ihrer routinemäßigen Zinssitzung. Größere Entscheidungen sind zwar nicht zu erwarten. Aber dennoch gilt: Nach der EZB ist vor der Fed.

Unterhaus in London entmachtet sich selbst

Nur kurz dürfte das Durchatmen von Premierministerin Theresa May gedauert haben, als sie ein Gesetz im britischen Unterhaus durchgebracht hat, mit dem nach dem Brexit ein Rechtsvakuum verhindert werden soll. Denn das Gesetz geht nun in arbeitsreiche Ausschussberatungen, wo 157 Änderungsanträge eingebracht wurden.

Mit dieser Maßnahme wird vorerst der EU-Rechtsbestand in britisches Recht übertragen. Im Anschluss sollen dann Schritt für Schritt alle Bestimmungen, die vom EU-Austritt der Briten betroffen sind, angepasst werden. Da es sich um Tausende von Regelungen handelt, will die Regierung in London die Gesetzgebungsgewalt dafür erhalten. Auf diese Weise entsteht die groteske Situation, dass der EU-Austritt zur Entmachtung des Parlaments führt. Wohlgemerkt, die Brexit-Befürworter hatten diesen mit dem Argument gefordert, dem Parlament seine Souveränität zurückzugeben. Nun aber entmachtet sich das Parlament quasi selbst.

Nicht von ungefähr warf der Brexit-Sprecher der oppositionellen Labour Party, Keir Starmer, der Regierung einen "Griff nach der Macht" vor. So beschleicht manchen Briten das Gefühl, die Brexiteers wollten den EU-Austritt am Parlament vorbei über die Bühne bringen. Aber wo soll der bestmögliche Brexit, der am wenigsten wirtschaftlichen Schaden anrichtet, denn gefunden werden, wenn nicht im Parlament?

Bewährungsprobe für Macron

Dass seine Popularität unter seinen Reformplänen für den Arbeitsmarkt leiden würde, dürfte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erwartet haben. Schließlich zielt sein Vorhaben darauf ab, es den französischen Unternehmen zu ermöglichen, effizienter auf sich ändernde Marktbedingungen zu reagieren. Dadurch sollen sie wettbewerbsfähiger und dynamischer werden - und auf diese Weise der französischen Wirtschaft Auftrieb verleihen. Umgekehrt heißt es aber auch, dass Arbeitnehmerrechte beschnitten werden, weshalb es kein Wunder ist, dass Menschen auf die Straße gehen. So haben in Frankreich mehr als 200.000 Menschen gegen die geplante Arbeitsmarktreform demonstriert. Von den größten Gewerkschaften hatte aber nur die linke CGT zu Protesten aufgerufen.

Ob sich Macron mit seiner Reform, die am 22. September verabschiedet werden soll, wird durchsetzen können, ist die eine Frage. Die andere aber dreht sich darum, ob seine Reformen auch tatsächlich von Erfolg gekrönt sein werden und somit einen wirtschaftlichen Aufschwung mit sinkender Arbeitslosigkeit nach sich ziehen.

Mitentscheidend kann hier die Unterstützung der deutschen Regierung sein, von der manche erwarten, dass sie zusammen mit der Führung in Paris ein Bündel an Neuerungen für die EU entwickeln. Zuvor muss aber der Ausgang der Bundestagswahlen am 24. September und das Bilden der neuen Regierung abgewartet werden.

Mario Draghi kann den Euro nicht schwächen

Die europäische Gemeinschaftswährung ist nach einer kurzen Verschnaufpause wieder zurück in der Erfolgsspur. Im Nachgang zur EZB-Ratssitzung verteuerte sich der Euro und konnte erneut Bestmarken erklimmen.

Trotz der kritischen Worte von EZB-Präsident Mario Draghi zur derzeitigen Euro-Stärke stieg die Einheitswährung in der Folge weiter an. So konnte der Euro zum Wochenausklang mit 1,2092 US-Dollar sein bisheriges Jahreshoch bei 1,2070 US-Dollar (29. August) übertreffen und notierte damit so hoch wie zuletzt im Januar 2015. Die gemeinsame Währung Europas profitiert weiterhin von der Schwäche des Greenback und den politischen Unwägbarkeiten aus Washington. Zudem wirkte sich die Sorge um die wirtschaftlichen Folgen des Hurrikans "Irma" belastend auf den US-Dollar aus. Der Start in die neue Handelswoche verlief allerdings etwas verhaltener. Der Euro rutschte wieder deutlich unter die Marke von 1,20 US-Dollar und notiert aktuell bei 1,1905 US-Dollar.

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) erwartungsgemäß die Zinsen unverändert beließ, überraschte die Kanadische Zentralbank mit einer Zinserhöhung. Die Notenbank hob den Schlüsselzins um 0,25 Prozent auf nun ein Prozent an. Begründet wurde der Schritt mit einer robusten und florierenden Wirtschaft. In der Folge verlor der Euro zum kanadischen Dollar und fiel bis auf 1,44432 CAD zurück, nachdem er Ende August noch bei Kursen von 1,50748 CAD gehandelt hatte.

In der vergangenen Berichtswoche konnte eine leichte Zunahme der Handelsaktivitäten bei den Fremdwährungsanleihen registriert werden. Zu den Favoriten gehörten Bonds lautend auf US-Dollar, norwegische Kronen, türkische Lira und vereinzelt auch australische sowie kanadische Dollar.

15. September 2017, © Baader Bank AG

Über den Autor

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

Dieser Artikel gibt die Meinung des Autors wieder, nicht die der Redaktion von boerse-frankfurt.de. Sein Inhalt ist die alleinige Verantwortung des Autors.

Über den Autor

Klaus Stopp ist Head of Market Making Bonds der Baader Bank.

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Quelle: Börse Frankfurt

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